Verschiedene Formen der Inkontinenz
Wenn sich die Harninkontinenz zum ersten Mal bemerkbar macht, wird das Problem in der Regel verdrängt. Die Betroffenen hoffen, dass die Harninkontinenz wieder vorübergehen wird. Insgesamt ist eine Harninkontinenz ein sehr häufiges Problem. Experten gehen davon aus, dass allein in Deutschland Millionen von Frauen darunter leiden.
Die bei Frauen am häufigsten vorkommende Form ist der unwillkürliche Harnverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder schweren Heben - die so genannte Belastungsinkontinenz. Davon zu unterscheiden ist die Dranginkontinenz. Der Harndrang tritt dabei oft überfallartig ein und ist so stark, dass bereits Urin verloren geht, bevor die Toilette erreicht wird. Darüber hinaus gibt es eine Mischform aus Belastungs- und Dranginkontinenz sowie weitere, jedoch sehr seltene Formen.
Was ist eine Belastungsinkontinenz?
Was ist eine Belastungsinkontinenz?
Belastungsinkontinenz ist die bei Frauen am häufigsten auftretende Form des Harnverlusts. Acht von zehn betroffenen Frauen leiden überwiegend unter dieser Form der Inkontinenz, die häufig beim Husten, Lachen und schwerem Heben auftritt. Bei körperlichen Anstrengungen, Anspannungen oder Belastungen erhöht sich der Druck auf den Bauchraum. Wenn dabei die Verschlusskraft des Schließmuskelapparates (des Beckenbodens) nicht mehr ausreicht, wird ein unwillkürlicher Harnverlust ausgelöst.
Gründe für einen geschwächten Beckenboden können eine Schwangerschaft und Geburt, hormonelle Schwankungen während der Wechseljahre oder Übergewicht sein.
Belastungsinkontinenz ist keineswegs eine Frage des Alters. Auch junge Frauen können davon betroffen sein, besonders nach Schwangerschaften und Geburten. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei 47,3 Jahren und damit deutlich niedriger als das der Gesamtheit der Frauen mit Harninkontinenz, das bei 50,9 Jahren liegt.
Man unterscheidet drei Schweregrade der Belastungsinkontinenz1:
- Grad I: Unwillkürlicher Harnverlust bei heftiger Drucksteigerung im Bauch z.B. durch Niesen, Husten, Lachen oder schwere körperliche Belastung.
- Grad II: Unwillkürlicher Harnverlust bei mittelstarker Drucksteigerung im Bauch, z.B. durch Laufen oder Treppensteigen.
- Grad III: Unwillkürlicher Harnverlust bei nur geringer Drucksteigerung im Bauch und auch im Liegen.
Was ist eine Dranginkontinenz?
Was ist eine Dranginkontinenz?
Die Dranginkontinenz tritt bei Frauen viel seltener auf als die Belastungsinkontinenz. Nur bei jeder fünften unter Harnverlust leidenden Frau handelt es sich um eine reine Dranginkontinenz. Charakteristisch für diese Form der Harninkontinenz ist ein ungewöhnlich häufiger, stark und plötzlich auftretender Harndrang. Die Ursache hierfür liegt in der harnaustreibenden Muskulatur, die schon aktiv wird, bevor die Blase vollständig gefüllt ist. Männer sind wesentlich häufiger von Dranginkontinenz betroffen als Frauen.
Was ist eine Mischinkontinenz?
Was ist eine Mischinkontinenz?
Manchmal treten die typischen Symptome von Belastungs- und Dranginkontinenz gemeinsam auf. Betroffene verlieren dann Urin beim Husten, Niesen, Lachen und schweren Heben. Gleichzeitig leiden sie unter häufigem und heftigem Harndrang. Meist herrscht aber auch bei der so genannten Mischinkontinenz eine der beiden Inkontinenzformen vor. Mit 29 Prozent ist die Mischinkontinenz bei Frauen die zweithäufigste Form der Harninkontinenz2.
Sehr seltene Formen der Harninkontinenz
Sehr seltene Formen der Harninkontinenz
Die folgenden Formen der Harninkontinenz sind äußerst selten.
Wenn der Urin wegen mechanischer Hindernisse in der Blase nicht mehr richtig abfließen kann, wird die Blase überdehnt und die harnaustreibende Muskulatur verformt. Kennzeichen dieser Überlaufinkontinenz sind Harnträufeln, häufiges Wasserlassen, Startschwierigkeiten beim Wasserlassen und verstärkter Harndrang. Die Überlaufinkontinenz tritt vor allem bei Männern mit vergrößerter Vorsteherdrüse (Prostata) und bei Frauen nach einer Verlagerung der Organe des Unterleibs auf.
Als Folge von Nervenkrankheiten kann es zu einer Reflexinkontinenz kommen. Die Verschlussfunktion der Harnröhre kann dann nicht mehr durch Signale aus dem Gehirn gesteuert werden. Als Folge leert sich die Blase unkontrolliert. Betroffene verlieren in unterschiedlichen Abständen Urin, oftmals ohne vorher einen Harndrang zu verspüren.
Ursache der Extraurethralen Inkontinenz ist eine so genannte Fistel. Fisteln sind kleine Gänge, die sich im Körperinneren bilden können. Verbindet eine Fistel die Blase mit der Scheide oder dem Enddarm, tröpfelt der Urin durch diese nach außen.
Quellen
- Ingelman-Sundberg A. Annals Chir Gynaecology 1982, 71: 208-20
- Hampel C, et al: European Urology 1997, 32(suppl 2): 3-12


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