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Physiotherapie

Vor allem bei einer Belastungsinkontinenz kann man oft schon mit Physiotherapie eine Besserung des unwillkürlichen Harnverlusts erreichen. Durch bestimmte Übungen kann die Muskulatur gestärkt werden, die am Zurückhalten des Urins beteiligt ist.

Wir haben für Sie in Zusammenarbeit mit dem Leiter der Urogynäkologie am St. Hedwig-Krankenhaus Berlin und Koordinator des Deutschen Beckenbodenzentrums Herr Prof. Ralf Tunn, Informationen zu den wichtigsten physotherapeutischen Maßnahmen und praktische Übungen zum Beckenbodentraining zusammengestellt.

Die meisten Frauen können ihren Beckenboden fühlen und bewusst anspannen. Für diese Frauen ist die Beckenbodengymnastik ein einfaches und leicht durchzuführendes Training für ihren Beckenboden. Die Beckenbodengymnastik hat zum Ziel, Übungen zu erlernen, die im Alltag zur Anwendung kommen können, um lebensbegleitend durchgeführt zu werden. Natürlich reicht es aus, die Übungen in wechselnder Intensität durchzuführen, ein abrupter, dauerhafter Abbruch der Therapie kann jedoch zu einem erneuten Auftreten der Beschwerden führen.

Ein gewisser Teil der Frauen kann Ihren Beckenboden aber nicht bewusst anspannen. Für diese Frauen gibt es eine Reihe weiterer Techniken wie Elektrostimulation, Biofeedbacktraining bzw. die Nutzung einer Rüttelplatte. Die Entscheidung für die jeweilige Trainingsmethode sollte anhand einer vom Frauenarzt, Urologen bzw. Physiotherapeuten durchgeführten aktuellen Beckenbodenfunktionsprüfung getroffen werden. Kann die Beckenbodenmuskulatur nicht auf Kommando angespannt werden, sollte mit der Elektrostimulation begonnen werden. Gelingt es schon etwas, die Beckenbodenmuskulatur anzuspannen, kann ein Biofeedbacktraining zur Anwendung kommen. Die Beckenbodengymnastik kann schon begleitend zur Elektrostimulation und zum Biofeedbacktraining durchgeführt werden, bzw. kommt zum Einsatz, wenn die Frau die Beckenbodenmuskulatur bereits spürt und anspannen kann.

Beckenbodengymnastik

Die Muskeln des Beckenbodens sind für das einwandfreie Funktionieren der Blase äußerst wichtig. Sie halten sie in Position und stützen die Harnröhre. Nur so kann sich ausreichend Druck aufbauen, um die Blase geschlossen zu halten.

Mit zunehmendem Alter erschlafft die Beckenbodenmuskulatur, die wie ein Trampolin im Beckenboden gespannt ist. Da bei Frauen die Scheide die Beckenbodenmuskulatur durchstößt, ist deren Struktur weniger stabil als bei Männern. Dies ist auch ein Grund, weshalb Frauen häufiger unter Harninkontinenz leiden als Männer. Durch Geburten kann das Gewebe zusätzlich gedehnt oder gar verletzt werden. Wenn man nichts dagegen unternimmt, können Gebärmutter, Blase und Vagina mit der Zeit ihre Lage verändern und vorfallen. Dies ist eine der Hauptursachen für die Belastungsinkontinenz.

Durch eine konsequente Beckenbodengymnastik wird die Muskulatur gekräftigt und kann ihre Stützfunktion wieder ausführen. Die Übungen sind einfach zu erlernen und können auch in den Alltagsablauf eingebaut werden. Das erleichtert es, regelmäßig zu üben.

Fangen Sie doch schon einfach an. Wir haben für Sie in Zusammenarbeit mit Herrn PD Dr. med. Ralf Tunn, praktische Übungen zur Beckenbodengymnastik zusammengestellt.
 


Mittlerweile bieten aber auch viele Fitnessstudios und Volkshochschulen Beckenbodengymnastik-Kurse an. Hier können Sie in der Gruppe trainieren – das bringt Spaß und motiviert. Und denken Sie daran: Voraussetzung für den Erfolg eines Beckenbodentrainings ist diszipliniertes Üben über einen längeren Zeitraum, denn seine volle Wirkung entfaltet das Training frühestens nach zwei bis drei Monaten.

Tipps und Kniffe zum "Durchhalten" finden Sie hier.

Elektrostimulation

Gelingt es nicht, die Beckenbodenmuskulatur anzuspannen und den Harnstrahl beim Wasserlassen zu unterbrechen, dann sind meistens die Nerven zwischen Rückenmark und Beckenbodenmuskel in ihrer Funktion gestört. Da die Nerven durch elektrische Impulse die Informationen weiterleiten, ist es gut verständlich, dass durch eine Elektrostimulation die Nervenfasern regeneriert und die Muskulatur angespannt werden kann. Um die elektrischen Impulse nahe dem Beckenbodenmuskel zu platzieren, wird die Elektrode , die aussieht wie ein Tampon in die Scheide eingeführt. Das dazugehörige Elektrostimulationsgerät, ist etwa so groß wie ein Handteller.

Die Elektrode gibt Stromimpulse an die Beckenbodenmuskulatur und seine zuführenden Nerven ab. Zwischen den Impulsen gibt es stromfreie Phasen, damit die Muskulatur sich erholen kann. Intelligentere Geräte geben die Stromimpulse erst dann ab, wenn Sie durch den Beckenbodenmuskel bis zu einem bestimmten Grad selbst angespannt haben.

An dem Gerät können Sie die Stromstärke individuell regeln. Umso moderner die Geräte, umso einfacher sind sie zu bedienen. Die Stromtherapie sollte täglich für 20 Minuten durchgeführt werden, natürlich darf auch mal ein Tag ausgelassen werden. Nach dreimonatiger Anwendung wird entschieden, ob eine Verlängerung der Therapie sinnvoll ist, ggf. kann das Gerät auch auf Dauer verordnet werden. Erste Erfolge können sich schon nach 4 Wochen zeigen. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen (bei privaten Krankenkassen auf Anfrage) getragen. Elektrostimulationsgeräte sollten nicht während der Menstruation, in der Schwangerschaft, bzw. im Wochenbett benutzt werden. Ernste Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Ihr Arzt wird Sie in die Anwendung des Gerätes einführen.

Biofeedbackverfahren

Biofeedback (natürliche Rückmeldung / Erfolgsmeldung) Training beruht, wie der Name schon sagt, darauf, dass die Patientin nach Anspannung der Beckenbodenmuskulatur eine positive Rückmeldung erhält, dass sie die richtigen Muskelgruppen einbezogen hat. Wurden z.B. nur die Gesäßmuskeln angespannt, bleibt die Erfolgsmeldung aus. Voraussetzung für das Biofeedbackverfahren ist, dass Sie Ihren Beckenboden bewusst anspannen können. Man kann kontrollieren, ob die Beckenmuskulatur korrekt angespannt wird und gegebenenfalls gleich korrigieren.

Bei einer Variante des Biofeedback wird ein Stäbchen an der Elektrode befestigt, das beim richtigen Anspannen der Muskulatur zum Beckenboden hin rotiert. Luftgefüllte Scheidensonden können mittels angeschlossenem Druckmessgerät die gezielte Anspannung demonstrieren. Moderne Geräte messen den Stromimpuls der Beckenbodenmuskulatur bei seiner Kontraktion, dies wird auch als Elektromyogramm bezeichnet.

Eine Sonderform des Biofeedbacktrainings ist das sogenannte Konustraining. Hierfür werden Konen mit unterschiedlichem Gewicht verwendet. Begonnen wird mit dem leichtesten Konus, der wie ein Tampon in die Scheide eingeführt wird und für mind. 20 min gehalten werden soll. Im Fortlauf des Trainings wird dann schrittweise das Gewicht gesteigert.

Rüttelplatte*

Das Rüttelplattentraining stellt eine weitere Form der Beckenbodentrainings dar. Dafür stellen Sie sich auf eine Plattform, welche Vibrationen erzeugt, die auf den Körper übertragen werden. Durch die Vibrationen kommt es kurzzeitig zur Überdehnung der Skelettmuskulatur, die dann zur Kontraktion der Muskulatur führt.

Unter Anleitung eines erfahrenden Physiotherapeuten können durch gezielte Übungen auf der Rüttelplatte systematisch die Muskeln aktiviert werden, die Ihre Blase verschließen und somit Urin zurückhalten.

Eine Übungseinheit dauert ca. 15 Minuten, wenigstens 10 bis 15 Sitzungen sind notwendig, um erste Erfolge zu erzielen. Untersuchungen haben gezeigt, daß die Kombination von herkömmlicher Beckenbodengymnastik und Vibrationstherapie einen großen Erfolg zeigt. Die Behandlungskosten für diese Vibrationstherapie werden bisher nicht von den Krankenkassen getragen.

*Der Einsatz der Rüttelplatte wird in der Physiotherapie kontrovers diskutiert und eine abschließende wissenschaftliche Beurteilung der Wirksamkeit steht noch aus.

 

 

Weiterführende Links
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Sitemap   Impressum / Datenschutz / Nutzungsbedingungen   Geändert: 22.06.2009