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Aktuelles aus der Medizin1 Angela Coulter, Helen Magee. The European Patient of the Future; Maidenhead, 2003; Open University Press Andere Länder - andere Sitten„Andere Länder - andere Sitten“ - was wir immer wieder im Auslandsurlaub erleben, scheint auch bei der Behandlung von Harninkontinenz Wahrheitsgehalt zu haben. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, die unter anderem der Frage nach den Behandlungmustern bei Harninkontinenz in verschiedenen europäischen Ländern nachging. Für die Behandlung der Harninkontinenz, insbesondere bei Vorliegen von Symptomen einer Belastungsinkontinenz, spielt der Beckenboden eine wichtige Rolle, da dessen Muskulatur die Blase in Position hält und die Harnröhre stützt. Mit dem Beckenboden ist es allerdings wie mit vielen anderen Muskeln: Wenn wir Erfolg sehen wollen, müssen wir kontinuierlich üben. Daher untersuchte die Studie den Stellenwert des Beckenbodentrainings für die Therapie der Harninkontinenz in den verschiedenen europäischen Ländern. Hier zeigte sich, dass Beckenbodentraining in Europa weniger als der Hälfte der Frauen mit Harninkontinenz verordnet wird. Gerade in südeuropäischen Ländern herrscht großer Nachholbedarf: Das Beckenbodentraining spielt hier eher eine untergeordnete Rolle und wird nur in 3,8 Prozent der Fälle verschrieben. Deutschland liegt im Vergleich mit anderen Ländern bei der Anzahl der Verordnungen ein wenig über dem Durchschnitt. Viel lernen können wir aber noch von unseren Nachbarn aus dem Norden: In Skandinavien ist Beckenbodentraining in zwei Drittel der Fälle die Standardtherapie. Aber wir können noch aufholen: Weitere Informationen zum Beckenbodentraining finden Sie Unabhängig von der Verordnungshäufigkeit des Beckenbodentrainings ist aber ein Punkt in jedem Land vergleichbar: Die Lebensqualität der betroffenen Frauen ist häufig stark eingeschränkt und sie leiden sehr unter den Symptomen einer Harninkontinenz. Trotzdem brauchen sie oft lange, bis sie den Schritt zum Arzt wagen. Doch nur der Arzt kann ihre Erkrankung wirklich behandeln, zum Beispiel durch Beckenbodentraining oder auch mithilfe von Medikamenten. Sprechstunden für Inkontinenz-BetroffeneMitten in der UNESCO-Welterbestadt Regensburg werden am Caritas-Krankenhaus St. Josef bereits seit mehreren Jahren sehr erfolgreich spezielle Sprechstunden für Inkontinenz-Betroffene angeboten. Im dortigen Beckenbodenzentrum nehmen sich die Kontinenzexperten aus verschiedenen Abteilungen der Klinik zwei Tage in der Woche Zeit für eine spezialisierte Betreuung. Der behandelnde Urologe Prof. Rößler erläutert den besonderen Vorteil ihrer Vorgehensweise: „Bei uns an der Klinik können wichtige Diagnoseuntersuchungen innerhalb kürzester Zeit vorgenommen werden. Wenn eine Patientin beispielsweise mit Beschwerden an der Blase zu uns kommt, dann werden bei ihr dicht hintereinander Standarduntersuchungen durch einen Urologen, einen Frauenarzt und einen Proktologen durchgeführt. Dadurch gewinnen wir einen umfassenden Eindruck über die Erkrankung und können sofort mit der optimalen Therapie beginnen.“ Neben der ausführlichen Ermittlung der Krankheitsgeschichte liegt ein besonderer Schwerpunkt auf mögliche seelische Auswirkungen der Erkrankung. „Gerade jüngere Frauen klagen oft über erhebliche Einbußen der Lebensqualität durch ihre Inkontinenz. Sie empfinden Scham in der Öffentlichkeit, isolieren sich zunehmend und erleben eine starke sexuelle Zurückgezogenheit. In unserer Sprechstunde können die Frauen einen Fragebogen ausfüllen, der auch zu solchen seelischen Beschwerden Auskunft gibt“, erklärt der Urologe. Dass dieses Konzept aufgeht, verdeutlichen die durchschnittlich 20 bis 25 Patientinnen pro Woche, die in der „Beckenboden-Sprechstunde“ vorstellig werden. Das Einzugsgebiet reicht dabei von Neumarkt in der Oberpfalz bis Passau im Süden Bayerns. „Dadurch, dass bei uns Diagnose und Therapie eng miteinander verknüpft sind, bieten wir den Leuten eine straffe Organisation und haben trotzdem überdurchschnittlich viel Zeit für jede einzelne Patientin“, verrät Prof. Rößler das Erfolgsrezept der Klinik. „Da viele Frauen von weiter her anreisen, ist es uns zudem wichtig, einen engen Kontakt zu dem jeweiligen Urologen, Haus- oder Frauenarzt zu halten. Nur so ist es für alle Beteiligten möglich, die eingeleitete Therapie erfolgreich fort zu setzen“ Studie "Harninkontinenz bei Frauen" der WHCDie Women’s Health Coalition e.V. (WHC) hat im Rahmen der einer Studie bundesweit über 2000 Frauen befragt. Was glauben Sie: Wie viele Frauen in Deutschland sind von unfreiwilligem Harnverlust betroffen? Es ist jede Fünfte! Dies ist nur eines der überraschenden Ergebnisse der Studie „Harninkontinenz bei Frauen“. Die Umfrage wurde von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V., der BARMER und den Unternehmen Boehringer Ingelheim und Lilly Deutschland unterstützt. Sie ermöglicht erstmals Einblicke in die Versorgungssituation betroffener Frauen, ihren Umgang mit der Erkrankung und ihr Verhältnis zum Arzt. Ziel der Partner ist es, das Thema Inkontinenz stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken.
Die Zahlen verdeutlichen die Bedeutung der gemeinsamen Initiative der WHC und ihrer Kooperationspartner. Mit der Studie liegen umfangreiche und verlässliche Informationen über die Behandlungsrealität in Deutschland vor. Dies ist ein erster wichtiger Schritt, dem Thema mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen und die Versorgung Betroffener langfristig zu verbessern. Internationale Umfrage bestätigt: Symptome der Belastungsinkontinenz beeinflussen berufliches und familiäres Leben betroffener FrauenDer Umgang mit den Symptomen der Belastungsinkontinenz nimmt im Leben betroffener Frauen großen Raum ein. Dies zeigt eine Umfrage an der mehr als 3.000 Frauen in Deutschland, Brasilien, Südafrika, Schweden und Großbritannien teilnahmen. Befragt nach ihren Erfahrungen mit Belastungsinkontinenz und den Auswirkungen dieser Erkrankung auf ihr Leben, offenbarten viele Frauen, dass sie von dem Thema selbst zu peinlich berührt seien, um es vor Familie oder Freunden ansprechen zu können. Eine von drei befragten Frauen hat bereits unwillkürlichen Harnverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben erfahren müssen. Dennoch wusste mehr als die Hälfte der Betroffenen wenig über die Erkrankung Belastungsinkontinenz oder mögliche Therapien. Als Einschränkung im privaten und beruflichen Alltag bezeichneten die Befragten vor allem die Angst vor dem Uringeruch. Um diese peinliche Situation zu umgehen, vermeiden viele Frauen z. B. unbekannte Orte, auch im Job, und schränken vorsorglich ihren Aktionsradius ein. Ebenso der Urlaub – etwas auf das sich eigentlich alle Menschen unbeschwert freuen - wird durch die Erkrankung oft als Belastung erfahren. „Es ist wichtig, die vielen schweigenden Frauen, die unter dem unwillkürlichen Harnverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder bei körperlichen Anstrengungen leiden, zu ermutigen, mit einem Arzt zu sprechen“, betonte Diane Newman, Vorsitzende des ICS Promotion Commitees bei der Vorstellung der Ergebnisse im September in Mexiko. |
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